Arbeitskleidung für Frauen: Warum die Passform eine Sicherheitsfrage ist

Ob auf der Baustelle, im Lager, in der Werkstatt oder in der Haustechnik: In vielen Berufen, die lange als typische Männerdomänen galten, arbeiten heute selbstverständlich auch Frauen. Bei der Ausrüstung hat sich diese Entwicklung allerdings nur langsam herumgesprochen. Noch immer bekommen Frauen im Betrieb häufig Kleidung und Schuhe, die eigentlich für Männer entworfen wurden, nur eben in einer kleineren Größe. Das ist mehr als eine Frage des Aussehens oder des Komforts. Schlecht sitzende Arbeitskleidung kann selbst zum Risiko werden.

"Unisex" heißt oft: Herrenschnitt in klein

Viele Kollektionen werden als Unisex angeboten. In der Praxis bedeutet das meist, dass ein Schnitt für männliche Körpermaße entwickelt und dann in kleineren Größen gefertigt wurde. Frauen haben im Durchschnitt aber andere Proportionen, etwa schmalere Schultern und ein anderes Verhältnis von Taille zu Hüfte. Wer eine Jacke so wählt, dass sie über der Hüfte schließt, hat an den Schultern oft zu viel Stoff und Ärmel, die über die Hände reichen. Wer eine Hose passend zur Hüfte kauft, hat oft einen Bund, der an der Taille absteht.

Das klingt harmlos, ist es aber nicht immer. Zu lange Ärmel können an Maschinen hängen bleiben oder von rotierenden Teilen erfasst werden. Hosenbeine, die über den Schuh fallen, werden auf Leitern und Treppen zur Stolperfalle. Weite Kleidung verfängt sich an Regalen oder Gerüsten. Und Kleidung, die beim Bücken oder Knien verrutscht, wird im Alltag schnell zurechtgezupft, hochgekrempelt oder ganz weggelassen, womit der eigentliche Schutz verloren geht.

Was Vorschriften und Normen dazu sagen

Die Passform ist auch rechtlich kein Nebenthema. Die PSA-Benutzungsverordnung verpflichtet Arbeitgeber, nur persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen, die unter anderem für die Bedingungen am Arbeitsplatz geeignet ist und "den ergonomischen Anforderungen und den gesundheitlichen Erfordernissen der Beschäftigten" entspricht. Eine Ausrüstung, die nur für einen Teil der Belegschaft gut sitzt, erfüllt diesen Anspruch streng genommen nicht.

Für Schutzkleidung gilt außerdem die Grundnorm EN ISO 13688. Sie beschreibt allgemeine Anforderungen, darunter die Ergonomie: Die Kleidung soll typische Bewegungen wie Bücken, Strecken und Hocken nicht behindern. Zudem schreibt sie eine Größenkennzeichnung vor, die sich an Körpermaßen orientiert. Spezielle Normen, etwa für Warnschutz- oder Flammschutzkleidung, bauen darauf auf.

Damenschnitte bei Hosen, Jacken und Westen

Ein gutes Beispiel für den Unterschied ist die Arbeitshose mit Kniepolstertaschen. Damit Kniepolster schützen, müssen sie genau über dem Knie sitzen. Ist die Hose für längere Beine geschnitten, rutscht das Polster beim Knien nach unten und liegt neben dem Gelenk statt darauf. Bei Damenschnitten ist die Position der Taschen auf die Beinlänge abgestimmt, dazu kommen ein angepasster Bund und mehr Weite an der Hüfte.

Wer Berufskleidung für ein gemischtes Team beschafft, sollte deshalb nicht einfach eine Unisex-Größenreihe bestellen, sondern gezielt nach Damenschnitten suchen und die Größentabellen der Hersteller vergleichen. Viele Anbieter führen Hosen, Jacken, Westen und Shirts inzwischen in eigenen Damenvarianten. Bei Warnschutzkleidung lohnt es sich besonders, genau hinzuschauen: Reflexstreifen erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie dort sitzen, wo sie gesehen werden sollen.

Bei Schuhen zählt jeder Millimeter

Noch deutlicher zeigt sich das Problem beim Fußschutz. Frauenfüße sind im Schnitt nicht nur kürzer, sondern auch anders geformt, etwa mit einer schmaleren Ferse und einem schmaleren Vorfuß. In einem Herrenmodell rutscht die Ferse dann bei jedem Schritt, was zu Blasen, Druckstellen und unsicherem Stand führt. Die Regel der Unfallversicherungsträger zum Fußschutz, die DGUV Regel 112-191, weist zudem darauf hin, dass gleiche Schuhgrößen verschiedener Hersteller nicht immer gleich ausfallen und dass es für die Schuhweite keine einheitliche Kennzeichnung gibt. Ihre Empfehlung ist deutlich: anprobieren und probegehen.

Eine gute Ausgangsbasis bieten Damen Sicherheitsschuhe, die auf die Form des weiblichen Fußes abgestimmt sind und in denselben Schutzklassen nach EN ISO 20345 erhältlich sind wie Herrenmodelle, von S1P für trockene Innenbereiche bis S3 für nasse und schmutzige Umgebungen. Die passende Schutzklasse ergibt sich dabei immer aus der Gefährdungsbeurteilung, nicht aus dem Geschlecht.

Beschäftigte an der Auswahl beteiligen

Am besten funktioniert die Ausstattung, wenn die Menschen, die sie tragen, mitreden dürfen. Trageversuche mit zwei oder drei Modellen, Rückmeldungen nach einigen Wochen im Einsatz und die Möglichkeit, Größen zu tauschen, kosten wenig Aufwand und verhindern Fehlkäufe. Gleichzeitig steigt die Akzeptanz: Wer sich in seiner Kleidung wohlfühlt, trägt sie auch konsequent. Und genau das ist am Ende der Sinn jeder Schutzausrüstung, unabhängig davon, wer sie trägt.